Shopify oder WooCommerce? Eine ehrliche Antwort
Ohne Affiliate-Verzerrung, ohne «es kommt darauf an»-Phrase. Aus der Praxis von Schweizer KMU-Shops.
Die häufigste Frage in meinen Erstgesprächen mit jemandem, der einen Online-Shop will: «Shopify oder WooCommerce?» Und ehrlich gesagt, die meisten Antworten im Internet sind Mist. Entweder von Shopify-Affiliates, die alles andere schlecht reden, oder von WordPress-Fanatikern, die Shopify als kommerziellen Bösewicht darstellen.
Hier mein Versuch einer ehrlichen Antwort, basierend auf zu vielen Schweizer Shop-Projekten der letzten Jahre.
Kurzfassung, falls Sie es eilig haben
Für 90 Prozent der Schweizer KMU-Shops ist heute Shopify die bessere Wahl. WooCommerce macht nur dann Sinn, wenn Sie sehr individuelle Funktionen brauchen, die nicht durch Shopify-Apps abgebildet werden, oder wenn Sie ohnehin schon einen WordPress-Workflow haben, der gut funktioniert.
Was sich wirklich entscheidet
Beide Plattformen können einen Online-Shop. Beide haben Versand, Zahlungen, Lager, Produkte. Der Unterschied liegt im Drumherum. In dem, was Sie nach dem Launch noch tun müssen.
WooCommerce ist ein WordPress-Plugin. Das heisst, Sie haben drei Dinge: WordPress, ein Theme und das WooCommerce-Plugin. Plus typischerweise 10 bis 20 weitere Plugins für Zahlungen, Versand, SEO, Performance und Backup. Jedes Plugin ist eine potenzielle Update-Quelle, eine Sicherheitslücke und eine Möglichkeit, dass nach einem Update plötzlich etwas nicht mehr geht.
Shopify ist ein gehostetes System. Es gibt keine Plugins, sondern Apps. Updates passieren automatisch im Hintergrund, ohne dass Sie etwas merken. Wenn Sie heute Mittag eine Bestellung haben, ist sie sicher. Wenn das System morgen früh aktualisiert wird, ist sie immer noch sicher.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist es aber nicht. Wer schon einmal an einem Sonntagabend einen WooCommerce-Shop reparieren musste, weil ein Plugin-Update kollidiert hat, weiss, wovon ich rede.
Wann WooCommerce trotzdem die richtige Wahl ist
Nicht alles spricht für Shopify. Es gibt klare Fälle, in denen WooCommerce besser passt:
- • Sie haben eine bestehende WordPress-Seite und wollen den Shop nahtlos integrieren, statt auf einer Subdomain auszulagern.
- • Sie brauchen sehr spezielle Produktlogik (z.B. Konfiguratoren, Auctions, B2B-Pricing mit Kundenrollen), die kein Shopify-App sauber abbildet.
- • Sie wollen volle Kontrolle über den Quellcode und sind technisch versiert genug, um Wartung selbst zu übernehmen.
- • Sie haben sehr knappes Budget und wollen die monatlichen Shopify-Lizenzgebühren sparen.
Wichtig: Punkt 4 ist eine Falle. Die gesparten Lizenzgebühren gehen typischerweise in Premium-Plugins, Hosting und Wartung. Am Ende ist der Preis ähnlich, nur die Verantwortung liegt bei Ihnen.
Was bei Schweizer Shops oft vergessen geht
Egal welche Plattform, ein Schweizer Shop hat ein paar spezifische Anforderungen:
- • TWINT als primäre mobile Zahlungsmethode. Ohne TWINT verlieren Sie 20 bis 40 Prozent der mobilen Kundinnen.
- • MWST 8.1 / 2.6 / 3.8 Prozent richtig konfiguriert, nicht der deutsche 19-Prozent-Default.
- • Versandzonen Schweiz vs. EU mit unterschiedlichen Zollformularen.
- • Sprachversionen, falls Sie Romandie oder Tessin bedienen wollen.
Bei Shopify ist das alles über ein paar Klicks erledigt, Shopify Markets macht Mehrsprachigkeit nativ. Bei WooCommerce brauchen Sie für die meisten dieser Dinge ein Plugin. Plus eines, das die Plugins zusammenhält.
Sie haben schon WooCommerce, was tun?
Wenn Ihr WooCommerce-Shop stabil läuft, kaum Plugin-Updates Sorgen machen und der Checkout gut konvertiert, gibt es keinen Grund zu wechseln. Optimieren statt umziehen.
Wenn Sie aber regelmässig Plugin-Probleme fixen, Sicherheits-Patches einspielen und der Checkout schwach konvertiert, ist eine Migration auf Shopify oft die saubere Lösung. Wir haben das schon viele Male gemacht, ohne SEO-Verlust und ohne Downtime.
Unsicher, was zu Ihnen passt?
Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir, welche Plattform für Ihren Shop wirklich Sinn macht. Ehrlich, ohne Vertriebsmasche.