Hosting

Schweizer Hosting. Wann lohnt es sich wirklich?

Nicht jede Webseite gehört auf einen Schweizer Server. Aber manche definitiv schon.

Von AmuraDesign29. April 20267 Min. Lesezeit

Ich werde fast wöchentlich gefragt: «Muss meine Webseite in der Schweiz gehostet sein?» Die meisten erwarten ein klares Ja. Meine Antwort ist meistens differenzierter und manchmal überrascht es: oft braucht es das gar nicht.

Dieser Artikel hilft Ihnen zu entscheiden, ob ein Schweizer Hoster für Ihren Fall wirklich Sinn macht oder ob Sie sich das Geld sparen können.

Wann Schweizer Hosting wirklich Sinn macht

Drei klare Szenarien, in denen ich immer zu Schweizer Hosting rate:

  • Sie arbeiten mit Mandats-, Patienten- oder Personaldaten. Anwaltskanzleien (BGFA), Arztpraxen (KVG, GUMG), HR-Plattformen, Treuhand-Büros und Versicherungen sollten ihre Daten in der Schweiz halten. Nicht aus rechtlicher Zwingendheit (das DSG erlaubt EU-Hosting), aber aus Reputations- und Vertrauensgründen.
  • Sie haben Kunden mit Compliance-Anforderungen. Wenn Sie für Banken, Versicherungen oder die öffentliche Hand arbeiten, sind Schweizer Hosting und dokumentierte Auftragsdatenbearbeitung oft Voraussetzung im Vertrag.
  • Sie verkaufen Vertrauen. Für gewisse Marken ist «Daten in der Schweiz» ein Verkaufsargument. Wenn das auf Ihre Marke zutrifft, sollten Sie es konsistent leben.

Wann Sie sich das Geld sparen können

Für viele Schweizer KMU ist Schweizer Hosting Overkill. Wenn Sie:

  • • eine klassische Marketing-Webseite betreiben, ohne Login-Bereich oder Datensammlung,
  • • weniger als ein paar tausend Besucherinnen pro Monat haben,
  • • keine sensiblen Daten verarbeiten (Newsletter-E-Mail-Adressen sind grenzwertig, aber kein Drama),
  • • preisbewusst sind und jeden Franken zweimal umdrehen,

dann reicht EU-Hosting (Hetzner Falkenstein, OVH Strasbourg) oder günstiges Shared Hosting völlig. Sie sparen jedes Jahr ein paar hundert Franken, und das Risiko ist überschaubar.

Wenn ja, welcher Anbieter?

Kurzer Überblick über die Anbieter, mit denen ich regelmässig arbeite. Alle haben ihre Stärken, alle haben ihre Macken.

Hostpoint (Rapperswil-Jona)

Mein Klassiker für KMU-Webseiten ohne Spezial-Anforderungen. WordPress, PHP, MySQL, sehr stabil. Schwächen: das Backend ist nicht das modernste, Container-Workloads gehen nicht.

cyon (Basel)

Sehr ähnlich Hostpoint, etwas modernere Tools, persönlicher Support. Gute Wahl, wenn Sie mehrere Domains verwalten wollen.

Infomaniak (Genf)

Sehr breit: Webhosting, Mail, Cloud-Container (Jelastic), Streaming, Office-Alternative. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ISO-zertifiziert. Mein Default für KMU, die auch eigene Mail wollen.

Exoscale (Genf, Zürich)

Schweizer IaaS-Cloud mit Stack ähnlich AWS. Erste Wahl für Container-, Docker- und Microservice-Architekturen. Für Marketing-Webseiten überdimensioniert.

Swisscom Cloud

Für FINMA-regulierte Branchen, grössere KMU, Konzerne. Compliance-Pakete für jede Anforderung, dafür höhere Preise. Nicht für kleine Webseiten.

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